Für Menschen aus Paris, New York oder London ist der Tod ein Wort, das man vermeidet, weil es einem die Lippen verbrennt. Der Mexikaner dagegen sucht, streichelt, foppt, feiert und vögelt ihn; er ist sein liebstes Spielzeug und seine treueste Geliebte. Vielleicht wird er ebenso von der Angst vor ihm gequält wie die anderen, aber er versteckt sich nicht vor ihm und verheimlicht ihn nicht, sondern sieht ihm mit Verachtung, Geduld oder Ironie ins Gesicht…

Die Totenschädel aus Zucker oder Seidenpapier, die Skelette, die im Feuerwerk leuchten, und unsere volkstümlichen Darstellungen, die das Leben verspotten, bezeugen die Nichtigkeit und Belanglosigkeit des menschlichen Daseins. Wir schmücken unsere Häuser mit Totenschädeln, wir essen am Totensonntag Brot in Form von Knochen, wir amüsieren uns mit Liedern und Schwänken, aus denen der kahle Tod grinst. Doch all diese großtuerische Vertraulichkeit mit ihm enthebt uns nicht der Frage: Was ist der Tod eigentlich? Darauf haben wir keine Antwort, und jedesmal, wenn wir sie uns stellen, zucken wir die Schultern: „Was kümmert mich der Tod, wenn mich das Leben nicht kümmert?

Octavio Paz, El laberinto de la soledad

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