Auswahl_028

Es ist Regenzeit, und weil Mexiko-Stadt bekanntlich in den Tropen liegt, gehen hier natürlich auch diese berüchtigten tropischen Wolkenbrüche nieder. Auf dem Land, wo man einen vertrauteren Umgang mit den Naturgewalten pflegt, nimmt man die nachfolgenden Überflutungen eher mit stoischer Gelassenheit. Aber die Hauptstädter empfinden sie als Zumutung und Symbol für alles, was in Mexiko schief läuft. Schuld sind natürlich die korrupten Politiker, und gleich danach die gringos. Aber mal ehrlich: Was können wir Menschlein schon gegen einen zürnenden Regengott ausrichten?

Das Schauspiel ist Tag für Tag dasselbe: Morgens scheint noch die Sonne, gegen Mittag türmen sich die ersten Wolken auf und im Laufe des Nachmittags zieht sich der Himmel zu, um sich dann am frühen Abend in furchtbaren Gewittern zu entladen. Wenn dann noch gleichzeitig im Atlantik oder Pazifik ein Sturm wirbelt, können in der Hauptstadt an einem einzigen Abend schon mal 50 oder mehr Millimeter Wasser vom Himmel stürzen. Vor einem Monat waren es in Polanco ganze 70 Millimeter, blitzschnell lief der ganze Stadtteil voll wie eine Badewanne, Unterführungen wurden zu Todesfallen, Autos schwammen davon, und dass nicht in sämtlichen Häusern die Keller unter Wasser standen, liegt nur daran, dass in Mexiko die wenigsten Häuser einen Keller haben.

In Mexiko-Stadt unternimmt man titanische Anstrengungen, um der Wassermassen Herr zu werden. Die unterirdischen Abwasserkanäle, die 1973 in Betrieb genommen wurden, waren seinerzeit das größte Tunnelsystem der Welt, die Röhren haben einen Durchmesser von sechs Metern und können pro Sekunde schier fantastische Wassermengen abführen, wie dieses Video stolz schildert. Aber was hilfts? Der wahre Herr ist der Regengott Tlaloc, und wenn der wütet, hilft nur Gelassenheit und das bescheidene Eingeständnis, dass die Natur eben doch stärker ist als wir.

Advertisements