Gestern um 13:14 hat ein schweres Erdbeben Mexiko-Stadt, Puebla und Cuernavaca erschüttert. In Querétaro haben wir nichts gespürt, aber weil Lulús Familie in der Stadt wohnt, hat es uns trotzdem durchgeschüttelt.

Nach allem, was man bislang weiß, sind in Mexiko-Stadt mindestens vierzig Häuser eingestürzt, darunter eine Schule, ein Supermarkt und eine Textilfabrik. Weit mehr Häuser sind stark beschädigt und unbewohnbar, viele Menschen haben aus Angst vor Nachbeben die Nacht im Freien verbracht. Von Puebla und Cuernavaca weiß ich so gut wie nichts, aber es sieht auch da nicht gut aus.

Die Familie ist Gottseidank wohlauf: Das Haus der Schwiegereltern hat sich um ein paar Zentimeter verschoben und die Decke der Garage hat einen Riss bekommen. Meine Schwägerin Adriana war in der Schule und hat sich bei der Evakuierung den Fuß verstaucht, so heftig hat es gebebt; ihr Mann Miguel Ángel war zuhause und ist bei der Flucht die Treppe runtergeflogen; den beiden hat es die Wohnung durcheinandergewirbelt, ansonsten sind sie wohlauf. In der Nacht haben sie kein Auge zugemacht aus Angst vor Nachbeben.

Besonders traumatisch ist das Datum. Bei der Erdbebenkatastrophe vom 19. September 1985 sind offiziell rund 10.000 Menschen ums Leben gekommen, vielleicht waren es viele mehr. Jeder kennt jemanden, der damals ums Leben gekommen ist. Für viele Tausend Familien ist das der Todestag eines geliebten Menschen, für die Stadt ist es ein Trauertag, außerdem finden jedes Jahr an diesem Datum Erdbebenübungen statt. An Adrianas Schule waren die Schüler gerade wieder in die Klassenzimmer zurückgekommen, als es zu beben begann. Das Trauma von 1985 sitzt tief. Damals hat ein Nachbeben 36 Stunden später noch einmal große Zerstörungen angerichtet und viele Opfer gefordert, und genau davor haben viele Menschen in der Stadt heute große Angst.

Wir sind auch tief bewegt von der Solidarität und davon, mit welcher Selbstverständlichkeit die Menschen bei Räumungen und Bergungen helfen, mit bloßen Händen Trümmer wegräumen und mit in die Luft gereckten Händen zum Schweigen auffordern, damit die Retter Stimmen hören können. Immer wieder singen die Helfer „Cielito Lindo“ und feuern sich mit „México“-Rufen an. So froh wir sind, in Querétaro nichts von dem Erdbeben mitbekommen zu haben, so gern wären wir heute da, um zu helfen, oder einfach nur um zu trösten. Unsere Gedanken sind bei unseren Freunden und Verwandten in der Stadt.

 

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