Neulich riefen mich zwei deutsche Freunde aus Mexiko-Stadt an. Sie standen kurz davor, eine Wohnung in Coyoacán zu kaufen und waren sich sogar schon mit dem Verkäufer einig geworden, hatten dann aber kalte Füße bekommen. Sie hatten gehört, es sei so schwierig, in Mexiko eine Wohnung zu kaufen, und baten mich um meine Meinung.

In Wirklichkeit ist der Kauf eines Hauses, einer Wohnung oder eines Grundstücks in Mexiko gar nicht so kompliziert — man muss aber ein paar Dinge beachten.

1. Klären Sie die Eigentumsverhältnisse.
Bevor Sie irgendetwas unterschreiben, müssen Sie ganz sicher sein, dass die Immobilie auch dem Verkäufer gehört, und dass Sie sie kaufen können. Lassen Sie sich den Grundbucheintrag (escrituras) und ein Ausweisdokument des Verkäufers (nur Reisepass oder Wahlausweis) zeigen und stellen Sie sicher, dass die Namen identisch sind (und zwar bis auf den letzten Buchstaben). Wenn im Grundbuch mehrere Eigentümer stehen, lassen Sie sich sämtliche Ausweisdokumente zeigen. Das mag selbstverständlich klingen, aber in Mexiko passiert es dauernd, dass Leute Immobilien „verkaufen“, die ihnen gar nicht gehören. Oder dass die Immobilie nicht ordentlich ins Grundbuch eingetragen ist. Oder dass es sich um Gemeindeland (ejido) handelt, das gar nicht verkäuflich ist. Achten Sie also dringend darauf, dass die Papiere in Ordnung sind. Wenn alles geklärt ist und Sie sich über den Preis geeinigt haben,

2. Schließen Sie einen Vorvertrag.
Normalerweise gehört zum Vorvertrag (promesa de compraventa) eine kleine Anzahlung, die Sie im Moment der Unterzeichnung leisten. Der Vertragstext sollte mindestens eine Beschreibung der Immobilie mit Grundbuchnummer, Ihre Namen und Ausweisnummern und die sämtlicher Eigentümer (Fotokopien der Ausweise werden angefügt), eine Rücktrittsklausel, eine Frist und natürlich die vereinbarte Anzahlung und die Restsumme enthalten. Das kommt auch alles in den Kaufvertrag, der sich im Grunde nicht vom Vorvertrag unterscheidet. Wenn der Vorvertrag unterschrieben ist, haben es die Verkäufer oft ganz eilig – lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, sondern

3. Gehen Sie gemeinsam zum Notar.
Der Notar prüft meist innerhalb weniger Tage, dass die Immobilie wirklich dem Verkäufer gehört, dass Sie zum Kauf berechtigt sind (siehe unten), dass die Immobilie nicht mit einer Hypothek belastet ist (libre de gravamen) und dass alle laufenden Kosten (Strom, Wasser, etc.) beglichen sind. Außerdem – ganz wichtig! – besorgt er Ihnen die Genehmigung, die Sie als Ausländer benötigen, um in Mexiko eine Immobilie erwerben zu können. Hier müssen Sie auch entscheiden, ob Sie allein oder mit Ihrem Partner Eigentümer werden wollen. Der Notar schickt einen Schätzer, der den Wert der Immobilie ermittelt; daraus ergibt sich die Höhe der Gebühren, die Sie als Käufer  entrichten. Wenn alles geklärt ist, vereinbart der Notar schließlich einen Termin für den Kauf und die Übergabe.

4. Der große Tag!
Die Übergabe – die Unterzeichnung des Kaufvertrags, die Zahlung an den Verkäufer, sowie die Übergabe an Sie (posesión material y juridica) – findet in der Kanzlei des Notars statt. Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, händigen Sie den Rest der Zahlung nicht vor diesem Termin aus. Ich persönlich finde die Bezahlung per Scheck für beide Beteiligten am Sichersten, wobei Sie dazu ein mexikanisches Konto benötigen (wenn Sie in Ihrer Bank einen cheque de caja erwerben, wird die Summe von Ihrem Konto abgebucht und ist nur mit diesem Scheck einzulösen). Bringen Sie den Scheck am Tag der Übergabe mit und geben Sie ihm dem Notar, der ihn an den Verkäufer übergibt. Der Notar händigt Ihnen auf einen vorläufigen Grundbucheintrag (preescrituras) aus, mit dem sie Telefon, Stromzähler und so weiter anmelden können. Damit gehört die Immobilie Ihnen.

Wie heißt es in der Wikipedia bei Rechtsthemen? Die Nutzung der Informationen in diesem Artikel erfolgt auf eigene Gefahr. Wenn Ihnen das Ganze nicht geheuer ist, oder wenn Sie Ihrem Spanisch nicht trauen, dann nehmen Sie sich einen Anwalt, der den Grundbucheintrag und den Kaufvertrag überprüft, Sie durch das Prozedere begleitet und Ihnen gegebenenfalls bei der Zahlung behilflich ist. Der kann Ihnen auch sagen, ob Sie als Ausländer eine Immobilie überhaupt kaufen dürfen. Zum Beispiel dürfen Ausländer im Abstand von 50 Kilometern zur Küste und 100 Kilometer zu einer internationalen Grenze kein Land erwerben – eigentlich, denn über Treuhänder (fideicomisos) ist es doch wieder möglich. Und Gemeindeland (ejido) ist ein ganz eigenes Thema…

Inzwischen haben auch meine beiden Freunde ihre Wohnung gekauft. Das Ganze ging sogar recht flott, nur auf den endgültigen Eintrag im Grundbuch müssen sie noch ein paar Monate warten. Aber das ist reine Formsache, die Wohnung gehört jetzt ihnen.

(Einige deutschsprachige Anwälte finden Sie unter anderem im Branchenbuch von Treff3.)

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