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Lexikon

Mexiko-Lexikon: La Seguridad

taxiTaxifahrer haben immer die besten Geschichten, und ich unterhalte mich gern mit ihnen. So wie neulich in Coyoacán, als mein Fahrer die Polizeistreife an der nächsten Straßenecke sah und sich rasch den Sicherheitsgurt über die Brust zog, ohne ihn einzustecken. Nachdem wir vorbeigefahren waren, ließ er den Gurt wieder schnalzen. Das hatte ich schon oft beobachtet und mich gefragt, ob das nicht anstrengender ist, als sich gleich anzuschnallen. Und vor allem unsicherer. Weiterlesen „Mexiko-Lexikon: La Seguridad“

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Mexiko-Lexikon: La desconfianza

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„Ich weiß nicht, was ich dir raten soll…“ sagte Meli zögernd.

Es war der 21. September, zwei Tage zuvor hatte im Hochland von Mexiko die Erde gebebt. Auch Malinalco war schwer getroffen worden, die Häuschen aus Lehmziegeln hatten dem Beben nicht viel entgegenzusetzen. Insgesamt waren an die fünfhundert Häuser unbewohnbar, und sämtliche Baudenkmäler der Kolonialzeit hatten einen Knacks. Ich hatte Meli angerufen um zu hören, wie es ihr ging, und ob ich irgendwie helfen konnte. Außerdem erzählte ich ihr, dass ich eine befreundete Architektin unterstützen wollte.

„Also, ich wäre da vorsichtig…“

Ich horchte auf.

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Spiel und Ernst…

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…lassen sich in Mexiko nie klar voneinander trennen. Im Día de Muertos vereinen sich Gedenken und Karneval, private Erinnerung und kollektives Schauspiel, Trauer und Ausgelassenheit, alles gleichzeitig, alles mit Hingabe. (Foto: Umzug in Malinalco, Michelle Keller)

Mexiko-Lexikon: Los Apapachos

PastelChocolate3Meine mexikanische Familie sang mir „Las Mañanitas“, dann durfte ich die Kerzen ausblasen und die Schokoladentorte anschneiden. Es war mein erster Geburtstag in Mexiko. Ich nahm mein großes deutsches Küchenmesser, das ich durch den Zoll ins Land geschmuggelt hatte, peilte gewissenhaft über die Klinge, zerteilte die Torte mit einem präzisen Schnitt in zwei exakt gleich große Hälften, halbierte die Hälfte und viertelte die Viertel. Als ich mit gewissem Stolz das erste Stück auf einem Teller weitergab, blickte ich in das lange Gesicht meines Schwiegervaters.

„Solche Stückchen serviert man in Deutschland?“

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Mexiko-Lexikon: Los Alemanes

Auswahl_020Weil man in Mexiko weiß, wie sehr die Deutschen ihr Bier lieben, lässt der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto beim Empfang von Angela Merkel mit Bier anstoßen.

„Es ist das erste Mal, dass wir einen ausländischen Regierungschef mit Bier empfangen“, sagt Peña Nieto. „Aus Anlass des Deutsch-Mexikanischen Jahres haben eine deutsche und eine mexikanische Brauerei gemeinsam ein Bier gebraut. Das soll noch einmal das freundschaftliche Verhältnis zwischen beiden Nationen unterstreichen.“

Angela Merkel sieht das Bier skeptisch an: Weiterlesen „Mexiko-Lexikon: Los Alemanes“

Mexiko-Lexikon: Enchilarse

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An einem lauen Dezemberabend, ich war noch nicht lange in Mexiko, saßen wir auf der Terrasse einer Taquería in der Altstadt von Taxco. Der Kellner brachte Bier und Tacos und stellte dazu neben einigen Soßen ein Schüsselchen mit gehackten gelben Paprikaschoten und Zwiebeln auf den Tisch. Da ich Hunger hatte und die Tortillas recht sparsam gefüllt waren, packte ich ordentlich von der Gemüsebeilage auf meinen ersten Taco und schlang ihn hinunter. Irgendwo zwischen dem zweiten und dem dritten Bissen stellte ich allerdings fest, dass die gelben Stückchen zwischen den Zwiebeln doch kein Paprika gewesen waren.
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Mexiko-Lexikon: ¡Total…!

alebrijeHandwerker sind in aller Welt gefürchtet, doch die mexikanischen Handwerker spielen in einer ganz eigenen Liga. Egal wie man sich vorbereitet, man kann nicht gegen sie gewinnen. Dafür kann man von ihnen eine Menge übers Leben lernen.

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Mexiko-Lexikon: Lo que pasa es que

habla„Und der Gips?“ frage ich den Verputzer.

Weil mexikanische Handwerker nie Geld vorstrecken, habe ich ihm am Abend zuvor 300 Pesos mitgegeben, damit er einen Sack Gips besorgt.

Er sieht mich unschuldig an.

Lo que pasa es que, meiner Mutter geht’s nicht gut, und ich musste mit ihr nach Iztapalapa zu einer Heilerin. Die hat uns aufgetragen, dem Heiligen Juan Crisóstomo eine Kerze mit Korianderduft anzuzünden. Deswegen sind wir mit dem Taxi ins Zentrum und haben im Mercado de Sonora eine Kerze gekauft…“

Lo que pasa es que ist eine der Redewendung, die man als Ausländer unbedingt kennen sollte.  Weiterlesen „Mexiko-Lexikon: Lo que pasa es que“

Mexiko-Lexikon: La neta

belleza„Und wie findest du mein Kleid?“ fragt Bibiana und dreht sich einmal um. Sie trägt ein eng anliegendes, feuerrotes Kleid mit tiefem Ausschnitt, das kurz über den Knien in einer struppigen Rüsche endet. Die arme Bibianita ist mehr schlecht als recht über ihre Scheidung hinweg und ist mit uns auf eine Hochzeit eingeladen. Natürlich hofft sie, dort jemanden kennenzulernen, und war gerade noch beim Friseur, um sich schminken und die Haare hochstecken zu lassen.

„Steht dir gut“, meint Lulú.

La neta?

La neta, steht dir echt prima“, wiederholt Lulú. Weiterlesen „Mexiko-Lexikon: La neta“

Mexiko-Lexikon: La corrupción somos todos

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Es war ein leichter Unfall. Auf der Stadtautobahn von Xalapa mischte sich der Feierabend- in den Durchgangsverkehr, in einer Kurve stockte es, und der schwarze Pickup mit den verspiegelten Scheiben fuhr auf mein Taxi auf. Es tat einen leichten Rumms, mein Kopf nickte einmal vor, einmal zurück, und einmal an die Decke des Wagens. So beginnen in Mexiko Begegnungen mit der Korruption.

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Mexiko-Lexikon: El descaro

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Mein Freund Moi aus Xalapa hat kein Talent dafür, Politikerstimmen nachzuahmen, aber die quäkende Stimme von Javier Duarte bekommt er prima hin. Am Tag nachdem Duarte als Gouverneur von Veracruz zurückgetreten ist und spurlos verschwunden ist, sitzt er in seinem Buchladen an einem Tischchen und bläst die Backen auf. „Ich liebe Veracruz. Und es gibt viel zu tun“, schnarrt er. „Aber ich muss meinen Namen und meine Ehre von den infamen Lügen reinwaschen, und deswegen trete ich zurück.“ Moi verdreht die Augen. „Qué pinche descaro.“

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Mexiko-Lexikon: El folio

Auswahl_033Tu folio?“ fragt der Riese hinter dem Schalter und klimpert mit seinen Mädchenwimpern.

Folio? Ich sehe Lulú an.

„Die Bearbeitungsnummer. Steht auf deinem Antragsformular.“

Ich klappe die Mappe mit den Unterlagen für die Migra, die berüchtigte Ausländerbehörde auf. Vor drei Wochen war ich schon einmal da und habe meinen Antrag auf eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis eingereicht. Gestern habe ich einen Brief bekommen, dass ich meinen Bescheid abholen kann. Zum Glück habe ich eine Kopie des Antrags dabei. Ich hole sie aus der Mappe und zeige dem Beamten die Nummer.

„Ah“, sagt der Riese. „Das ist deine Eingangsnummer. Ich brauche die Ausgangsnummer.“

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Mexiko-Lexikon: Tú y Usted

Auswahl_029Im Deutschen ist die Sache mit dem Sie und Du glasklar: Wir siezen uns, bis Sie mir eines Abends unter dem Tresen vertraulich zuzwinkern und lallen: »Ich bin übrigens der Alfred.« Dann stoßen wir an und besiegeln eine Blutsbrüderschaft fürs ganze Leben. Zugegeben, auch im Deutschen ist die Sache mit dem Du heute gleichzeitig entspannter und unklarer geworden. Aber so undurchschaubar wie in Mexiko wird es wohl nie werden.

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Mexiko-Lexikon: Por eso estamos como estamos

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Als sich Bildungsminister Aurelio Nuño neulich in einer Grundschule in Puebla über die Bedeutung des Lesens verbreitete, erlebte er eine kleine Überraschung. Nachdem er das Wort lesen — leer — dreimal hintereinander ler statt le-er ausgesprochen hatte, korrigierte ihn die neunjährige Andrea López: „Das heißt le-er“. Was dann passierte, erinnerte einmal mehr an eine fatalistische mexikanische Redewendung.

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Mexiko-Lexikon: Calor y frío

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Als ich eines Morgens im Dezember vor dem Haus meiner Schwiegereltern in der Colonia del Valle vorfuhr, fegte Doña María gerade den Gehsteig. Entgeistert blickte sie auf meine kurzen Ärmel und rief: „Ist dir nicht kalt?“ Erst schüttelte ich den Kopf, dann sie.

„Also mir ist kalt“, meinte sie. „Hace fresco – es ist frisch“.

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