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Lexikon

Mexiko-Lexikon: Los Apapachos

PastelChocolate3Meine mexikanische Familie sang mir „Las Mañanitas“, dann durfte ich die Kerzen ausblasen und die Schokoladentorte anschneiden. Es war mein erster Geburtstag in Mexiko. Ich nahm mein großes deutsches Küchenmesser, das ich durch den Zoll ins Land geschmuggelt hatte, peilte gewissenhaft über die Klinge, zerteilte die Torte mit einem präzisen Schnitt in zwei exakt gleich große Hälften, halbierte die Hälfte und viertelte die Viertel. Als ich mit gewissem Stolz das erste Stück auf einem Teller weitergab, blickte ich in das lange Gesicht meines Schwiegervaters.

„Solche Stückchen serviert man in Deutschland?“

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Mexiko-Lexikon: Los Alemanes

Auswahl_020Weil man in Mexiko weiß, wie sehr die Deutschen ihr Bier lieben, lässt der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto beim Empfang von Angela Merkel mit Bier anstoßen.

„Es ist das erste Mal, dass wir einen ausländischen Regierungschef mit Bier empfangen“, sagt Peña Nieto. „Aus Anlass des Deutsch-Mexikanischen Jahres haben eine deutsche und eine mexikanische Brauerei gemeinsam ein Bier gebraut. Das soll noch einmal das freundschaftliche Verhältnis zwischen beiden Nationen unterstreichen.“

Angela Merkel sieht das Bier skeptisch an: Weiterlesen „Mexiko-Lexikon: Los Alemanes“

Mexiko-Lexikon: Enchilarse

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An einem lauen Dezemberabend, ich war noch nicht lange in Mexiko, saßen wir auf der Terrasse einer Taquería in der Altstadt von Taxco. Der Kellner brachte Bier und Tacos und stellte dazu neben einigen Soßen ein Schüsselchen mit gehackten gelben Paprikaschoten und Zwiebeln auf den Tisch. Da ich Hunger hatte und die Tortillas recht sparsam gefüllt waren, packte ich ordentlich von der Gemüsebeilage auf meinen ersten Taco und schlang ihn hinunter. Irgendwo zwischen dem zweiten und dem dritten Bissen stellte ich allerdings fest, dass die gelben Stückchen zwischen den Zwiebeln doch kein Paprika gewesen waren.
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Mexiko-Lexikon: Lo que pasa es que

habla„Und der Gips?“ frage ich den Verputzer.

Weil mexikanische Handwerker nie Geld vorstrecken, habe ich ihm am Abend zuvor 300 Pesos mitgegeben, damit er einen Sack Gips besorgt.

Er sieht mich unschuldig an.

Lo que pasa es que, meiner Mutter geht’s nicht gut, und ich musste mit ihr nach Iztapalapa zu einer Heilerin. Die hat uns aufgetragen, dem Heiligen Juan Crisóstomo eine Kerze mit Korianderduft anzuzünden. Deswegen sind wir mit dem Taxi ins Zentrum und haben im Mercado de Sonora eine Kerze gekauft…“

Lo que pasa es que ist eine der Redewendung, die man als Ausländer unbedingt kennen sollte.  Weiterlesen „Mexiko-Lexikon: Lo que pasa es que“

Mexiko-Lexikon: La neta

belleza„Und wie findest du mein Kleid?“ fragt Bibiana und dreht sich einmal um. Sie trägt ein eng anliegendes, feuerrotes Kleid mit tiefem Ausschnitt, das kurz über den Knien in einer struppigen Rüsche endet. Die arme Bibianita ist mehr schlecht als recht über ihre Scheidung hinweg und ist mit uns auf eine Hochzeit eingeladen. Natürlich hofft sie, dort jemanden kennenzulernen, und war gerade noch beim Friseur, um sich schminken und die Haare hochstecken zu lassen.

„Steht dir gut“, meint Lulú.

La neta?

La neta, steht dir echt prima“, wiederholt Lulú. Weiterlesen „Mexiko-Lexikon: La neta“

Mexiko-Lexikon: La corrupción somos todos

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Es war ein leichter Unfall. Auf der Stadtautobahn von Xalapa mischte sich der Feierabend- in den Durchgangsverkehr, in einer Kurve stockte es, und der schwarze Pickup mit den verspiegelten Scheiben fuhr auf mein Taxi auf. Es tat einen leichten Rumms, mein Kopf nickte einmal vor, einmal zurück, und einmal an die Decke des Wagens. So beginnen in Mexiko Begegnungen mit der Korruption.

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Mexiko-Lexikon: El descaro

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Mein Freund Moi aus Xalapa hat kein Talent dafür, Politikerstimmen nachzuahmen, aber die quäkende Stimme von Javier Duarte bekommt er prima hin. Am Tag nachdem Duarte als Gouverneur von Veracruz zurückgetreten ist und spurlos verschwunden ist, sitzt er in seinem Buchladen an einem Tischchen und bläst die Backen auf. „Ich liebe Veracruz. Und es gibt viel zu tun“, schnarrt er. „Aber ich muss meinen Namen und meine Ehre von den infamen Lügen reinwaschen, und deswegen trete ich zurück.“ Moi verdreht die Augen. „Qué pinche descaro.“

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Mexiko-Lexikon: El folio

Auswahl_033Tu folio?“ fragt der Riese hinter dem Schalter und klimpert mit seinen Mädchenwimpern.

Folio? Ich sehe Lulú an.

„Die Bearbeitungsnummer. Steht auf deinem Antragsformular.“

Ich klappe die Mappe mit den Unterlagen für die Migra, die berüchtigte Ausländerbehörde auf. Vor drei Wochen war ich schon einmal da und habe meinen Antrag auf eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis eingereicht. Gestern habe ich einen Brief bekommen, dass ich meinen Bescheid abholen kann. Zum Glück habe ich eine Kopie des Antrags dabei. Ich hole sie aus der Mappe und zeige dem Beamten die Nummer.

„Ah“, sagt der Riese. „Das ist deine Eingangsnummer. Ich brauche die Ausgangsnummer.“

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Mexiko-Lexikon: Tú y Usted

Auswahl_029Im Deutschen ist die Sache mit dem Sie und Du glasklar: Wir siezen uns, bis Sie mir eines Abends unter dem Tresen vertraulich zuzwinkern und lallen: »Ich bin übrigens der Alfred.« Dann stoßen wir an und besiegeln eine Blutsbrüderschaft fürs ganze Leben. Zugegeben, auch im Deutschen ist die Sache mit dem Du heute gleichzeitig entspannter und unklarer geworden. Aber so undurchschaubar wie in Mexiko wird es wohl nie werden.

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Mexiko-Lexikon: Por eso estamos como estamos

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Als sich Bildungsminister Aurelio Nuño neulich in einer Grundschule in Puebla über die Bedeutung des Lesens verbreitete, erlebte er eine kleine Überraschung. Nachdem er das Wort lesen — leer — dreimal hintereinander ler statt le-er ausgesprochen hatte, korrigierte ihn die neunjährige Andrea López: „Das heißt le-er“. Was dann passierte, erinnerte einmal mehr an eine fatalistische mexikanische Redewendung.

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Mexiko-Lexikon: Calor y frío

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Als ich eines Morgens im Dezember vor dem Haus meiner Schwiegereltern in der Colonia del Valle vorfuhr, fegte Doña María gerade den Gehsteig. Entgeistert blickte sie auf meine kurzen Ärmel und rief: „Ist dir nicht kalt?“ Erst schüttelte ich den Kopf, dann sie.

„Also mir ist kalt“, meinte sie. „Hace fresco – es ist frisch“.

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Mexiko-Lexikon: El Norte

norteKurz nach dem Día de Muertos war es kühl geworden in Mexiko-Stadt. Ich hatte gerade eine Übersetzung zu Ende gebracht und beschloss, mir ein paar Tage am Strand zu gönnen – Sonne, Hängematte, Meer… das hatte ich mir verdient. Aber weil ich keine Lust auf das überlaufene Acapulco hatte, entschied ich mich für den kleinen Badeort Tecolutla an der Golfküste von Veracruz. Dort sollte ich etwas erleben, das ich in Mexiko niemals vermutet hätte.

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Mexiko-Lexikon: El relajo

Auswahl_009Ich habe mich lange darüber gewundert, dass sich die Mexikaner an ihrem Nationalfeiertag rot-weiß-grün-gestreifte Perücken aufsetzen, Schnurrbärte ankleben, wagenradgroße Sombreros aufsetzen, sich gegenseitig mit Mehl und Konfetti-Eiern bewerfen und dazu „Viva México, Cabrones!“ grölen — einen Ruf, den man vielleicht mit „Es lebe Mexiko, ihr Böcke“ übersetzen könnte. Als jemand, der dem Nationalismus in jeglicher Form mit großem Misstrauen begegnet, habe ich das lange als Ausdruck einer sympathischen Selbstironie verstanden. Bis mich ein befreundeter Philosoph aufklärte.
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Mexiko-Lexikon: El Señor Presidente

auswahl_013Wie praktisch, wenn sich ein Präsident schon vor seiner Wahl ein bisschen mit dem politischen System befasst – da weiß er doch gleich, wo das Personalglöckchen ist, mit dem er seine Lakaien antanzen lassen kann, wenn er erst einmal auf dem Thron sitzt. Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto hat sich während seines Jurastudiums besonders eingehend mit dem Thema beschäftigt und zum Abschluss eine 200-seitige Arbeit über das mexikanische Präsidialsystem vorgelegt. Da hat sich jemand gut vorbereitet. Weiterlesen „Mexiko-Lexikon: El Señor Presidente“

Mexiko-Lexikon: Wer nicht bescheißt, kommt nicht voran

loteriaVor den Bürgermeisterwahlen in Malinalco fragte der Kandidat der Linken meine Frau, ob sie sein Team nicht als Anwältin unterstützen wollte. Er könne ihr zwar nichts bezahlen, aber er könne ihr einen Posten anbieten, für den Fall, dass er gewinnen sollte. Meine Frau winkte ab: »Ich bin doch nicht lebensmüde. Außerdem hat der sowieso keine Chance. Die PRI« – die ehemalige Staatspartei, die den Bundesstaat regiert und inzwischen auch wieder den Präsidenten stellt – »lässt den nie gewinnen.«
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